Moby Dick - freedom for dolphins and whales

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Moby Dick

Lebensgeschichten
22.04.2020
Moby Dicks Geschichte
 
Wie ein Wal den Tier- und Umweltschutz in Deutschland salonfähig machte und zweimal seinem Walfänger entkommen konnte.

Moby Dick, gefangen 1966, auf dem Weg in einen Englischen Zoo von Mutter Natur befreit
 
Diese Geschichte hat nichts mit dem Roman Moby Dick von Herman Melville zu tun, ist aber nicht weniger dramatisch. Unser Moby Dick war auch kein Pottwal wie im Roman, sondern ein Belugawal. Dieser Beluga wurde ursprünglich Anfang 1966 in den flachen Gewässern vor der kanadischen Ostküste gefangen, von wo aus er zu einem Zoo nach England transportiert werden sollte. Aber Mutter Natur beschützt ihre Kinder manchmal und so ging er bei einem Sturm über Bord des Schiffes, welches ihn nach England bringen sollte. In ihren nordpolaren Heimatgewässern treffen sich Belugawale manchmal in Flussdeltas zur Paarung. Es ist selten - aber nicht beispiellos - dass Wale versehentlich europäische Flüsse hinaufschwimmen und so war unser Moby Dick wohl auf der Suche nach einem Beluga Weibchen, als er die Mündung des Rheins hinauf 250 km nach Duisburg schwamm. Die Paarungszeit bei Belugas liegt zwischen April und Juni.
 
1996 wurde der Rhein zum saubersten Fluss Europas erklärt. Er hatte einen langen Weg hinter sich. In den 1950er bis in die 1970er Jahre war der Rhein als der "Abwasserkanal Europas" bekannt: Das Wasser war vergiftet, es war weder als Trinkwasser oder gar zum Schwimmen geeignet und das Ökosystem im Rhein stand am Rande des Zusammenbruchs. Da wurde am 18. Mai 1966 Moby Dick, der in arktischen und subarktischen Gewässern heimisch ist, im Rhein in Duisburg von den Flussschiffern Bernd Albrecht und Willi Dethlevs, welche an der Reeling ihres Tankschiffs Melani standen, am Rheinkilometer 778,5, gesichtet. Ihre Meldung an die Wasserschutzpolizei das ein Ungeheuer im Rhein schwimmt, führte zu einer Alkoholkontrolle. Dann sahen die Wasserschutzpolizisten mit eigenen Augen Moby Dick. Die Wasserschutzpolizei informierte den damaligen Zoodirektor des Duisburger Zoos Dr. Wolfgang Gewalt. Als er Moby Dick sieht, ist er begeistert und ruft aus "Mann, is det een Wurm!". Er erkennt sofort den Belugawal und was für eine Sensation er für den Duisburger Zoo sein würde.
Dr. Gewalt, Waljäger.
Dieser Belugawal verbrachte die nächsten vier Wochen damit, den Niederrhein auf und ab zu schwimmen. Der Beluga wurde in Deutschland und den Niederlanden zu einer Medienberühmtheit. Seinen Namen bekam er schnell von den deutschen Medien.
Dr. Gewalt machte in diesen Wochen seinem Namen alle Ehre. Aus zig Netzen eines Duisburger Tennisklubs ließ er ein Treibnetz knoten. Damit drängten seine Helfer Moby Dick von Polizeibooten aus in den Duisburger Hafen. Doch der Moby Dick entwischte den Waljägern und schwamm zurück in den Rhein. Verärgert über die Flucht vor der Gefangenschaft von Moby Dick, schoss er kurzerhand mit einer Betäubungspistole auf den Meeressäuger. Pech für Dr. Gewalt, dass das Schlafmittel das Tier nicht betäubte und Glück für Moby Dick, welcher sonst wahrscheinlich ertrunken wäre. Doch der Zoodirektor gab nicht auf. Er ließ einen Mitarbeiter mit Pfeil und Bogen auf Moby Dick schießen, um dem Beluga eine Boje anzuhängen – wieder ohne Erfolg. Gewalt rief immer neue Schiffe herbei: drei Landungs- und zwei Schnellboote der Bundeswehr, dazu noch mehr Boote der Wasserschutzpolizei und der Feuerwehr. Doch alles vergebens. Mal tauchte der Wal in ein Baggerloch ab, mal war er einfach schneller als seine Verfolger.
Schnell wurde Moby Dick zum Liebling der Deutschen und hatte zahlreiche Fans. Es gab sogar ein Lied über ihn, das im Radio gespielt wurde. Für die Waljäger dagegen hagelte es Beschimpfungen: "Verhaftet Wolfgang Gewalt!", titelt die "Bild"-Zeitung. Tierschützer mieteten einen Zeppelin und bombardierten die Walfänger mit Orangen. Die Kritik prallte an Wolfgang Gewalt nicht nur ab, er schien sie sogar zu genießen, hängte er doch die Schlagzeilen an die Wände seiner Wohnung. Der Zoodirektor ließ nicht locker und beschoss den Wal erneut mit Narkosemitteln.
Moby Dick im Rhein
Plötzlich war Moby Dick verschwunden. Gerüchte machten die Runde, er sei in die Niederlande abgehauen. Dass er in Wirklichkeit auf dem Weg Richtung Bonn war, ahnten weder seine Fans noch die Waljäger. So gelang es ihm am 13. Juni als er am Ufer der damaligen westdeutschen Hauptstadt seelenruhig am Bundestag vorbei schwamm, die Aufmerksamkeit der Politiker in der westdeutschen Hauptstadt Bonn auf sich zu ziehen. Moby Dick tauchte während einer NATO-Pressekonferenz auf: Ein Bote informierte das Plenum im Bundestag, und Politiker und Journalisten aus vielen verschiedenen Ländern liefen hinaus, um einen Blick auf den Beluga zu erhaschen.
Nach vier Wochen endete die Odyssee von Moby Dick: Am 16. Juni schaffte es der Beluga aus eigener Kraft zurück in die Nordsee. Zuletzt wurde er bei Hoek van Holland gesehen. Moby Dick war maßgeblich daran beteiligt aus einzelnen Umweltschützern in Deutschland, eine Tier- und Umweltschutzbewegung in Gang zu setzen.
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