Luna - freedom for dolphins and whales

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Luna

Lebensgeschichten
04.04.2020
Lunas Geschichte

Orca, Mitglied der Southern Residents (südlichen ortstreuen) Orcas, L Pod (L Familie), allein lebend im Nootka Sound, Kanada

Die südlichen ortstreuen Orcas gelten als vom Aussterben bedroht. Bevor in den 60er Jahren viele als Lebendfänge in Delfinarien landeten, betrug die minimale aufgezeichnete Anzahl 140 Exemplare. Danach pendelte die Anzahl zwischen ungefähr 70 und 100.

Luna, auch als L98 und Teil der L Familie der südlichen ortstreuen Orcas bekannt, wurde von seiner Mutter Splash, auch als L67 bekannt am 19. September 1999 im Pudget Sound, USA, als ihr erstes Baby geboren und nur wenige Stunden nach seiner Geburt das erste Mal gesehen. Den Winter 1999/2000 und ersten Sommer im Jahr 2000 verbrachte Luna mit ihrer Familie. Seine Familie verbrachte die Monate des Frühjahr, Sommer und Herbst im südlichen Teil der Vancouver Insel und im Pudget Sound. I
n den Wintermonaten schwammen sie 1.500 km entlang der amerikanischen Westküste nach Norden, Richtung Alaska oder Süden, Richtung Kalifornien. Im Winter 2000/2001 müssen sie nach Norden Richtung Alaska geschwommen sein und bei ihrer Rückkehr im Frühjahr Luna am Nootka Sound verloren haben. Zunächst hielt man Luna für tot, als seine Familie im Juni 2001 zurück kam und Luna nicht bei ihnen war. Aber schon einen Monat später wurde Luna das erste Mal im Nootka Sound gesichtet. Zuerst war seine Identität nicht klar und konnte erst im November bestätigt werden. Luna tauchte wenige Tage nach dem Tod des Häuptlings Ambrose Marquinna, der Mowachaht-Muchalaht Indianer auf. Dieser hatte auf seinem Sterbebett vorhergesagt, als Orca zum Stamm zurückzukehren. Von nun an wurde Luna als ihr zurückgekommener Häuptling verehrt und Tsu’xiit genannt.
Bild © 2016 by google earth

Obwohl Luna noch sehr jung und ohne Familie war, wurde beobachtet wie er Lachse fing, die bevorzugte Speise der südlichen ortstreuen Orcas. Im Januar versuchte Lance Barrett-Lennard, ein Wissenschaftler für Meeressäugetiere vom Vancouver Aquarium, Luna hinter seinem Boot her zu seiner Familie zu locken. Luna ließ sich aber immer nur bis zu einem gewissen, immer gleichen Punkt weglocken. Wahrscheinlich wollte er in diesem Gebiet auf seine Familie warten.
Durch intensive Berichterstattung in den Medien von Anfang bis Mitte 2002 wurde Luna zu einer Touristenattraktion. Mit zunehmender Anzahl der Menschen, welche Luna sehen wollten, stieg auch die Gefahr für Luna sich zu verletzen oder gar zu sterben. Luna gewöhnte sich in dieser Zeit an Menschen und Boote, sie schienen sein sozialer Ersatz für seine verlorene Familie zu sein. Die Hoffnung, dass Luna auf natürlichem Weg wieder zu seiner Familie findet, wurde immer geringer.
Selbst wenn Lunas Familie im Winter Richtung Norden zieht und am Nootka Sound vorbei kommt, so ist die Verästelung des Nootka Sound und die Entfernung zum Gold River, wo Luna sich aufhält, mit 60 km zu groß um ihre Rufe zu hören.
Etwa zur gleichen Zeit wurde ein weiterer Orca im gleichen Alter wie Luna mit Namen Springer oder auch A73 genannt, der nördlichen ortstreuen Orcas im Pudget Sound ohne Familie gefunden. Ob Springer und Luna aus dem gleichen Grund von ihrer Familie getrennt wurden, konnten die beteiligten Wissenschaftler nicht herausfinden.
Bild © 2016 by google earth
Im Oktober 2002 wurden erste Stimmen laut, die eine Umsiedlung von Luna näher zu seiner Familie, damit sie sich hören und somit wieder zusammenfinden können, forderten. Das Kanadische Fischereiministerium tat sich sichtlich schwer mit einer Lösung für Luna und malte seine Umgebung am Gold River als idealen Ort aus, der er wahrlich nicht war. Im Gegensatz zu Springer, hatte Luna mehr als für ihn gut, Kontakt zu Menschen. Luna lernte sogar die Schrauben der Boote lahmzulegen, damit die Menschen länger bleiben mussten. Dabei zog sich Luna allerdings auch immer wieder Verletzungen zu. Es wurde immer schlimmer, weil Luna regelrecht bei den Menschen um Aufmerksamkeit bettelte. Im Jahr 2003 fanden immer mehr Walschützer zusammen, welche eine Zusammenführung Lunas mit seiner Familie forderten. Es war ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis entweder Luna oder Menschen bei diesen Interaktionen verletzt werden würden. Wenn Luna einen Menschen töten würde, wäre sein Schicksal als "gefährlicher" Orca besiegelt. Man hätte ihn eingeschläfert oder in ein Betonbecken in einem Freizeitpark gebracht. Außerdem gab es Menschen, welche Luna mit Schaufeln oder Stöcken verletzen wollten. Das Kanadische Fischereiministerium war der Meinung, dass Luna bleiben sollte wo er war und seine Familie und er schon irgendwann wieder zusammenfinden würden. Walschützer riefen eine Petition ins Leben und stellten eine Webseite für Luna online. Luna reibt seinen Körper an der Unterseite der Boote, genauso wie er es mit anderen Orcas seiner Familie machen würde. Luna leidet an Einsamkeit, weil er seine Familie vermisst.
Endlich im Oktober 2003 werden Pläne für eine  Zusammenführung von Luna mit seiner Familie gemacht. Aber für dieses Jahr kamen die Pläne zu spät, Lunas Familie würde sich nicht mehr im Pudget Sound aufhalten und so wurde die Zusammenführung auf den Sommer 2004 verschoben. Im Sommer 2004 waren mehrere Pläne vorhanden, um Luna mit seiner Familie zu vereinen, allerdings war die Durchführung des Kanadische Fischereiministerium absolut laienhaft. Anstatt die lokalen Indianer, die in Luna die Widergeburt ihres Häuptlings sahen, miteinzubeziehen, wurden diese übergangen. Es kam was kommen musste. Als Luna am 16. Juni 2004 eingefangen werden sollte, lockten die Indianer Luna von den Netzen weg. Mehr als eine Woche zog sich der "Kampf" um Luna hin, bis er schließlich vom Kanadischen Fischereiministerium abgebrochen wurde. Im September einigten sich beide Parteien darauf, dass die Indianer auf der einen Seite Luna und auf der anderen Seite die Menschen schützen sollten. Das Ganze sollte durch Spenden (Ausrüstung und Geld) vom Kanadischen Fischereiministerium finaziert werden. Weitere Monate gingen ins Land und Lunas Verhalten Menschen und Booten gegenüber wurde immer gefährlicher.
Video © 2014 by Sad Seahorse
Er spielte mit den Booten oft stundenlang und ließ die Menschen auf den Booten nicht mehr weg. An den Liegeplätzen der Boote beschädigte er Ruderanlagen und die Boote selber. Womöglich aus Langeweile, wie man es von eingesperrten Orcas in Betonbecken kennt, welche an den Betonwänden knabbern.
Am 10. März 2006 suchte der Kapitän des 237 Tonnen schweren und 29 m langen Schleppers General Jackson Schutz vor einem Sturm im Nootka Sound.  Wie Luna es gewohnt war, suchte er den riesigen Schlepper auf und schwamm zum Heck. Die riesige 2 m durchmessende Schraube erzeugte einen so starken Sog, dass Luna hineingezogen und zerhackt wurde. Obwohl der Kapitän sofort die kanadische Küstenwache informierte und unmittelbare Hilfe von lokalen Fischern, der Polizei und den Indianern kam, konnte man nur noch Teile von Luna finden. Der einzige Trost war: Luna muss unmittelbar gestorben sein. Lunas Unfall war teilweise eine Überraschung, da er in den 5 Jahren, in denen er im Nootka Sound lebte, mit Booten und ihren Schiffsschrauben vertraut war.
Dies ist wieder mal ein Beispiel, dass sich Delfine und Wale nicht an Menschen gewöhnen sollten. Sie gehören in Freiheit und zu ihrer natürlichen Familie, ihren Artgenossen.
Der Verlust Lunas ist angesichts der Tatsache, dass die südlichen ortstreuen Orcas vom Aussterben bedroht sind, in vielerlei Hinsicht eine Tragödie. Ein ausgelassenes, freies Leben wurde unfreiwillig beendet. Luna wird nicht mehr dazu beitragen können, seine Familie vor dem Aussterben zu bewahren. Wir hoffen, dass so etwas nie wieder vorkommt und die Menschen aus diesem Vorfall etwas gelernt haben.
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