Baby - freedom for dolphins and whales

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Baby

Lebensgeschichten
08.04.2020
Babys Geschichte

Amazonas Flussdelfin, 44 Jahre Gefangenschaft, 14 Jahre in Einzelhaft, im Duisburger Zoo, Deutschland

Baby (Orinoco) ist ein ca. 1,80 Meter großer südamerikanischer Amazonas-Flussdelfin (Inia geoffrensis, auch „Boto“ genannt), der seit dem 19. März 1975 im Duisburger Zoo in Gefangenschaft lebt.
Er wurde zusammen mit seiner Mutter, einem alten Albino-Weibchen („Oma“), einem „halbstarken“ Männchen und einem erwachsenen Männchen (auch „Apure“ genannt und später vom Zoo als „Vater“ bezeichnet) gefangen.
Oma starb fünf Monate nach der Gefangennahme, am 20. August 1975.
Die Mutter starb 14 Monate später, am 30. Mai 1976. Bei beiden ist die Todesursache unbekannt.
Der nächste Todesfall trat am 31.12.1978 ein, es war der halbstarke Delfin, der von Vater getötet wurde.
Die ersten Jahrzehnte lebte Baby im Aquarium. Kurz nachdem er und Vater in die Anlage Rio Negro, ebenfalls im Zoo Duisburg, umzogen, starb „Vater“ am 8. Oktober 2006 (Todesursache unbekannt).
Seitdem zieht Baby alleine seine Kreise in dem kleinen Becken (6,75 Meter lang; 5,45 Meter breit und 1,70 Meter tief). 45 Jahre in Gefangenschaft, 14 Jahre in Einzelhaft (Stand 6. April 2020).
Amazonas Flussdelfine leben in Freiheit in den Flusssystemen des Amazonas sowohl in kleinen Gruppen aber auch als Einzelgänger. Sie wühlen mit der langen Schnauze gerne im Schlamm, um Krebse und Fische zu fangen.
Außerdem sind diese Tiere sehr soziale Wesen. So versuchen z.B. die Männchen in Freiheit, die Weibchen zu beeindrucken, indem sie mit einem Stück Holz oder einer schwimmenden Pflanze auf das Wasser schlagen. Die einzigen anderen Säugetiere, von denen derartiges Verhalten bekannt ist, dass sie Gegenstände zur Schau tragen, sind Menschen und Schimpansen.
Das glasklare, stehende Wasser der Zooanlage ist ein krasser Gegensatz zu dem natürlichen Lebensraum der Amazonas-Flussdelfine, wo sie sich zwar manchmal als Einzelgänger aber mit Fischfang und Bewegungen im fließenden Wasser den Tag vertreiben können.
All dies ist ihnen in der Gefangenschaft nicht möglich. Angepasst an den natürlichen Lebensraum im trüben Flusswasser sind die Augen sehr klein. Sie spüren ihre Beute in der Natur im schlammigen Wasser per Echoortung auf.
Hier stellt sich dem Leser die Frage: „ Was wird Baby wohl in den ihm noch verbleibenden Jahren in dem Betonbecken im Zoo Duisburg orten?

Andrea Bensing & Antonietta Tumminello
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