Eine lebensverändernde Begegnung - freedom for dolphins and whales

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Eine lebensverändernde Begegnung

Welcher Taucher kennt nicht die Sehnsucht, einmal wilden Delfinen beim Tauchen oder Schnorcheln zu begegnen? 
In dieser Beziehung machte ich keine Ausnahme, doch im Gegensatz zu vielen anderen Tauchlehrern, die regelmäßig auf die fröhlichen Meeressäuger trafen, musste ich bei meiner Beschäftigung in Hurghada, Ägypten lange auf die Erfüllung meines langgehegten Wunsches warten. 

Bild © 2016 by google earth
Dafür war mein erstes Zusammentreffen mit einem Delfin dann aber auch ein ganz besonderer Moment, der mein Leben für immer prägen sollte.

Alles begann unspektakulär, an einem Tag wie jedem anderen in meinem Tauchlehrer-Dasein. Ein Nachttauchgang am Tauchplatz Fanus Ost stand für meine Gruppe auf dem Plan, mit knapp zwölf Metern Tiefe in recht flachem Wasser, direkt am Riff, das mit seiner Artenvielfalt eine eigene kleine Welt zum Bestaunen bietet. Beim Vorbereiten der Ausrüstung tauchte zehn Meter neben unserem Boot ein Delfin auf, das Wasser auf seiner Haut reflektierte das karge Licht, sein Blick traf den meinen, und ohne weiteres Überlegen bat ich meine Schüler, sich alleine fertig zu machen, und ging selbst mit Schnorchel, Maske und Flossen ins Wasser. Langsam glitt ich vom Bootsrand in das silbern erscheinende Wasser, ich spürte die sanfte Kraft des Meeres, trieb auf der Oberfläche und suchte den Meeresgrund nach dem Delfin ab. Da das Tier nicht zu sehen war, beschloss ich abzutauchen, und so schwebte ich mit ruhigem, synchronem Flossenschlag zwei Meter über dem Sand durch die Stille – und plötzlich war er da. Das Riff zu meiner linken und kleine Korallenblöcke zu meiner rechten formten eine schon fast unwirklich schöne Kulisse zu dem Tanz, der nun begann. Der Delfin glitt unter mich, drehte sich auf den Rücken und schwamm in perfektem Gleichklang mit mir. Ich spürte nicht , dass ich kaum mehr Luft hatte, dass ich bald würde auftauchen müssen, um zu atmen, es war mir auch egal, dieser Augenblick schien endlos, es erschien logisch, dass wir zusammen fortschwimmen würden, um nie wieder umzukehren, wir waren eins, wir waren verbunden. Wir sprachen dieselbe Sprache, die keine Worte braucht, wir waren ganz Eins mit dem anderen, mit der ganzen Welt und auch mit uns selbst.

Ich weiß nicht, wie lange unsere Begegnung wirklich dauerte, es ist auch egal, denn seit der Erfahrung dieses Gleichklangs zweier so unterschiedlicher Geschöpfe weiß ich, was Ewigkeit bedeutet. Es ist nicht das Abwesend-Sein von Zeit, sondern das Verschmelzen mit allem, was war, was ist und was je kommen wird. Und mir wurde klar, dass wir alle Zahnräder des großen Ganzen sind, abhängig voneinander, nicht lebensfähig, wenn wir uns nicht vollkommen aufeinander einlassen.

Schon vorher war ich ein Tierfreund und mein Engagement galt von Kindesbeinen an dem Schutz unserer Fauna, aber dieser winzige Augenblick vor 18 Jahren öffnete mir neben den Augen auch das Herz. Ich hatte nicht „nur“ ein Tier vor mir, sondern ein fühlendes und mitfühlendes Lebewesen, das sich seines Selbst bewusst war, das kommunizierte, das mich so tief berührte, wie es ein Mensch nur ganz selten schafft. 
Bild © 2016 by google earth
Damals kannte ich  all die wissenschaftlichen Belege für dieses Bewusstsein noch nicht, die mir heute Argumente in meinem Kampf für die Freiheit von Walen und Delfinen liefern, aber ich brauchte sie auch nicht – alles, was ich wissen musste, um mein Leben dem Schutz der Meeressäuger zu widmen, lernte ich bei diesem Ausflug von dem weisesten Lehrer, den ich je hatte.
Mein Freund, noch heute spüre ich den Nachhall der Strömung um meinen Körper, die du mir durch deine Bewegungen schenktest, noch heute kann ich kurz die Ewigkeit spüren, die uns verband. Ich hoffe, du lebst noch dort und wir werden irgendwann wieder aufeinander treffen und einen weiteren endlosen Augenblick miteinander haben – alle Grenzen unserer Spezies überwindend. 

Christoph Küppers
Gründer freedom for dolphins and whales
 
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